Meldung
31.05.2022

Japans Zukunftsstrategie für die Pharmaindustrie

Die japanische Wirtschaft erholt sich langsam vom Investitionstief des vergangenen Jahres. Das Land will künftig die inländische Produktion von Medizintechnik und Arzneimitteln stärken, um unabhängiger von Importen zu werden.

Flagge Japan; Quelle: istock/Alexander Gatsenko
© Quelle: istock/Alexander Gatsenko

Die Marktposition Japans im globalen Pharmasektor schrumpft. Auch die Produktion von Medizintechnik sank laut Branchenministerium im Jahr 2021 auf Yen-Basis um 3,8 Prozent. Die Importe gingen um 3,1 Prozent zurück. Um dem entgegenzuwirken, hat das japanische Gesundheitsministerium im September 2021 die „New Pharma Industry Vision“ vorgestellt. Sie ist auch eine Reaktion auf die COVID-19-Pandemie. So soll die Wettbewerbsfähigkeit der Impfstoffentwicklung verbessert werden, indem die nationale Impfstoffprüfung vom Nationalen Institut für Infektionskrankheiten auf die Agentur für Arzneimittel und Medizinprodukte übertragen wird.

Bei einer Umsetzung der Strategie, könnte die japanische Pharmaindustrie durch verschiedene Initiativen, wie etwa ein vorhersehbares und vernünftiges Erstattungskonzept, mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Die Vision regt an, den Schwerpunkt auf die Entwicklung innovativer Arzneimittel zu legen, den Anteil der Generika auf dem japanischen Markt zu erhöhen und die Preisgestaltung maßvoll und vorhersehbar zu halten. Die Importanteile bei Medizintechnik und Pharmazeutika sind bislang hoch. Durch die „New Pharma Industry Vision“ soll die Eigenversorgung mit Arzneimitteln gestärkt und zugleich die Modernisierung der Medizintechnik vorangetrieben werden.

Die Vision wurde politisch bislang noch nicht beschlossen. Im japanischen Parlament gibt es Vorbehalte angesichts steigender Gesundheitsausgaben. Das könnte die Umsetzung der „New Pharma Industry Vision“ beeinträchtigen. Aktuell steht die Regierung unter Druck, Ad-hoc-Maßnahmen zur Eindämmung der Gesundheitsausgaben zu ergreifen. Analysten sehen Japan deshalb am Scheideweg: Es müsse die Arzneimittelpreisreform und die Innovation seiner Pharmaindustrie unter einen Hut bringen. Die Umsetzung der neuen Strategie und die damit verbundene Reform der Preisgestaltung könnte ein Gleichgewicht zwischen den Faktoren Kostendämpfung und Innovation herstellen.