Meldung
14.12.2021

Russland bleibt auf Pharmaimporte angewiesen

Russlands Pharmaindustrie bleibt auf Wachstumskurs. Obwohl eine steigende Inlandsproduktion zunehmend Medikamenteneinfuhren ersetzt, sind die Chancen für deutsche Anbieter solide. Denn auch im vergangenen Jahr wurden die meisten Wirkstoffe importiert.

Flagge Russland; Quelle: istock/Ramberg
© Quelle: istock/Ramberg

Der russische Markt für Arzneimittel zeigt weiterhin eine solide Wachstumsdynamik. Für das Jahr 2021 erwarten Branchenexperten einen Anstieg um acht Prozent auf 2,2 Billionen Rubel (ca. 25,9 Milliarden Euro). In den kommenden beiden Jahren soll sich das Wachstum auf sieben beziehungsweise fünf Prozent abschwächen, sodass der Markt bis 2023 voraussichtlich ein Volumen von umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro erreichen wird.

Die umsatzstärksten Segmente des russischen Pharmamarktes sind Krebsmedikamente sowie Präparate für den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel. Eine besondere Rolle für die Marktentwicklung spielt darüber hinaus das Verzeichnis der sogenannten „lebensnotwendigen Arzneimittel“, auf die rund die Hälfte des Marktvolumens entfällt. Die Liste wird jährlich aktualisiert und umfasst rund 800 Präparate. Zuletzt neu aufgenommen wurden Medikamente zur Behandlung von Sars-Cov-2 sowie Corona-Impfstoffe. Außerdem führt das russische Gesundheitsministerium eine Liste der „14 hochpreisigen Nosologien“. Damit bekommen über 200.000 Patienten, die an seltenen Krankheiten leiden, Zugang zu den nötigen Medikamenten. Zu diesen Krankheiten zählen zum Beispiel Hämophilie, Mukoviszidose, bösartige Tumore und Multiple Sklerose.

Deutsche Anbieter von Arzneimitteln können weiterhin von der Importabhängigkeit Russlands profitieren. Denn obwohl der Staat die lokale Produktion von Arzneimitteln weiter ankurbelt, lagen importierte Medikamente 2020 mit einem Anteil von 56 Prozent immer noch vor den einheimischen Medikamenten. Hilfreiche Partner beim Einstieg in den russischen Markt können Pharma-Distributoren sein, die in der Regel stark regional fokussiert sind und über wichtige logistische Kapazitäten und Kompetenzen verfügen.

Der Marktzugang für Arzneimittel orientiert sich an den Regeln der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Alle Arzneimittel, die zum ersten Mal auf dem russischen Markt eingeführt werden, müssen staatlich registriert und zuvor im Forschungsinstitut NZESMP analysiert werden. Seit dem 1. Juli 2020 müssen alle Medikamentenpackungen außerdem mit einem digitalen DataMatrix-Code versehen sein, der eine elektronische Nachverfolgung der Lieferkette von der Produktion bis zu Abgabe an den Endverbraucher gewährleistet.

Die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft beobachtet gemeinsam mit lokalen Branchenexperten die Entwicklung des russischen Arzneimittelmarktes, insbesondere hinsichtlich der Marktzugangsbedingungen für deutsche Hersteller. Relevante regulatorische Änderungen werden monatlich in dem PharmaUpdate Russland zusammengefasst. Der kostenlose Newsletter kann hier abonniert werden.

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