Marktstudien
02.09.2021

China: Ausländische Anbieter von KI im Gesundheitswesen haben es schwer

Chinas Markt für KI-basierte Gesundheitsleistungen könnte bis 2022 ein Volumen von rund neun Milliarden Euro erreichen. Doch das Geschäft ist fest in nationaler Hand. Marktführer ist der Versicherungskonzern Ping An. Der Markteintritt für deutsche Unternehmen ist schwierig.

Chinesische Flagge
© istockphoto.com/ Alexander Gatsenko

Im International Startup Campus in Shanghai können deutsche Start-ups ihre Ideen auf dem chinesischen Markt testen. Doch die Bedingungen für deutsche Start-Ups, die Lösungen zum Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen anbieten, sind in China sehr schwierig, erläutert Martin Gothe, der Projektkoordinator des Startup Campus, gegenüber GTAI. Die Hindernisse ergeben sich aus einem unsicheren regulatorischen Umfeld und dem schwierigen transnationalen Transfer personenbezogener Daten (Patientendaten sind in China zu speichern). Auch die umfangreichen Anforderungen an die Zertifizierung und Genehmigung vieler KI-basierter Gesundheitslösungen erschweren deutschen Start-Ups das Agieren auf dem chinesischen Markt. Sie sollten aus ihren Erfahrungen in China lernen und diese gegebenenfalls anschließend in Deutschland umsetzen, rät Gothe.

Dabei wächst der Markt für KI-basierte smarte Lösungen in China rasant. Der Staat will Kosten senken. Mittels smarter Lösungen für Vorsorgeuntersuchungen sollen Risikogruppen möglichst frühzeitig und mit wenig Personaleinsatz erkannt werden. Der Einsatz von KI ist auch für die Patientenversorgung und das Krankenhausmanagement angedacht, um diese effektiver zu machen. Telemedizinische Lösungen sind hier wichtige Instrumente, um vorhandene personelle Ressourcen besser zu nutzen. Der Konzern Ping An hat die marktführende Gesundheits-App „Ping An Health“ entwickelt, die bereits 346 Millionen Nutzer hat. Sie soll den Hausarzt weitgehend ersetzen. Das cloudbasierte Assistenzsystem „AskBob“ wird von 740.000 Ärztinnen und Ärzten in China genutzt.

Auch erste KI-Produkte der Klasse III wurden auf dem chinesischen Markt zugelassen, so etwa eine Software zur nicht-invasiven Funktionsbewertung von Koronararterien. Auch Softwarelösungen zur Analyse der CT-Koronarangiographie beziehungsweise zur Erkennung von Lungenknötchen wurden zugelassen. Die KI-Einsatzmöglichkeiten bei bildgebenden Verfahren sind enorm, so die Meinung der Fachwelt.

Die Stadt Shenzhen könnte zu einer Modellregion für die Anwendung KI-basierter Gesundheitstechnologie werden. Ende Juni 2021 hat sie Vorschriften für die KI-Branche erlassen. Sie skizzieren zum Beispiel verschiedene Unterstützungsmaßnahmen für den KI-Einsatz im Gesundheitssektor. So sollen beispielsweise Krankenhäuser stringente Prüfungssysteme für KI-Produkte und -Dienstleistungen schaffen, um sie zu testen. Darüber hinaus sichert die Stadt Shenzhen interessierten Unternehmen einen verbesserten Zugang zu Daten der Regierung zu.

Link: https://www.gtai.de/gtai-de/trade/branchen/branchenbericht/china/china-foerdert-kuenstliche-intelligenz-im-gesundheitswesen-687118

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