Meldung
15.03.2021

Brexit: Das Freihandelsabkommen muss präzisiert werden

Um einen harten Brexit zu vermeiden schlossen die EU und Großbritannien Ende 2020 ein Freihandelsabkommen, das seit dem 1. Januar 2021 vorläufig in Kraft ist. In einigen wichtigen Bereichen fehlen jedoch praxisgerechte Lösungen. Darauf weist der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) hin. Er informiert in einer neuen Broschüre zu den aktuellen Bedingungen für Arzneimittelexporte ins Vereinigte Königreich.

Flaggen EU und Vereinigtes Königreich zum Thema Brexit; Quelle: fotolia/Fredex
© fotolia/Fredex

Exportierende Unternehmen stehen seit Anfang 2021 vor neuen Herausforderungen: Beim Import ins Vereinigte Königreich gibt es zwar keine Zölle, Einfuhrsteuern oder Mengenbegrenzungen für Waren, jedoch müssen seit Januar alle Waren die Zollabfertigung durchlaufen. Das führt zu einem höheren Verwaltungs-, Zeit- und Kostenaufwand und bedeutet ein neues Hindernis für den Im- und Export von Arzneimitteln und Medizinprodukten. Außerdem wird derzeit von Seiten Großbritanniens geduldet, dass ein Inhaber britischer Zulassungen weiterhin seinen Sitz in der EU bzw. dem Europäischen Wirtschaftsraum haben kann, doch dies wird zeitlich begrenzt sein. Vermutlich wird Großbritannien zu einem späteren Zeitpunkt einen Sitz in seinem Hoheitsgebiet verlangen, so der BAH.

Der Verband befürwortet das Aushandeln eines Abkommens über die gegenseitige Anerkennung behördlicher Maßnahmen, ein Mutual Recognition Agreement (MRA). In einem solchen Abkommen müsste unter anderem die gegenseitige Anerkennung von Chargen- und Importtests, amtlichen Arzneimittel-Kontrolllaboren, GMP-Inspektionen und CE-Kennzeichnungen von Medizinprodukten geregelt werden. Erforderlich sei die volle Anerkennung behördlicher Inspektionen der jeweils anderen Seite, erklärt der BAH.

In seiner Broschüre mit dem Titel „Der Brexit und seine Folgen für die deutsche Arzneimittelindustrie“ werden die Auswirkungen des Brexits aus regulatorischer Sicht beleuchtet. Außerdem findet man dort aktuelle Informationen zum Fälschungs-, Patent-, Marken- und Datenschutz sowie zu den Regelungen des Vereinigten Königreichs im Bereich der Medizinprodukte.