Meldung
29.10.2020

Polen bleibt interessanter Absatzmarkt für Generika und OTC-Medikamente

Während Polens Regierung mehr Ausgaben für den Gesundheitssektor ankündigt, steigt die Nachfrage nach Pharmazeutika weiter. Besonders gute Absatzchancen haben Zulieferer von Generika und rezeptfreien Medikamenten. Ein neuer Bericht aus der Serie „Branche kompakt“ von Germany Trade & Invest (GTAI) informiert deutsche Anbieter über ihre Aussichten auf dem polnischen Pharmamarkt.

Flagge Polen; Quelle: fotolia/Tata2anka
© Quelle: fotolia/Tata2anka

Der polnische Markt für Arzneimittel ist gut aufgestellt. 2019 erreichte er ein Absatzvolumen von mehr als 12 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2018 entspricht dies einem Zuwachs von mehr als neun Prozent. Auch in Zukunft soll der Umsatz weiter zulegen: zwischen 2020 und 2024 im Durchschnitt um sieben Prozent jährlich. Verschreibungspflichtige Medikamente machten 2019 mit rund 7,9 Milliarden Euro etwa 65 Prozent der gesamten Arzneimittelverkäufe aus. Bis 2029 soll ihr Anteil auf 71 Prozent anwachsen. Bereits seit 2016 erhalten alle polnischen Senioren über 75 Jahre bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente kostenlos. Seit September 2020 haben außerdem Schwangere einen Anspruch auf verschiedene kostenlose Arzneien. Darüber hinaus hat Polens Präsident Andrzej Duda im Juli 2020 die Gründung eines Gesundheitsfonds angekündigt, der unter anderem kostspielige innovative Therapien unterstützen soll. 2020 sollen dem Fonds 450 Millionen Euro zur Verfügung stehen. In den Folgejahren bis 2029 sollen es jährlich 900 Millionen Euro sein.

Vor allem Generika und rezeptfreie Arzneimittel (Over The Counter; OTC-Medikamente) gewinnen weiter an Bedeutung. Aufgrund des gestiegenen Kostendrucks während der Corona-Krise profitieren diese Präparate in besonderem Maße von der Einkaufs- und Rückerstattungspolitik des polnischen Gesundheitsministeriums. Dies erhöht auch die Chancen für ausländische Zulieferer. So werden in Polen mehr als jeder zweite Euro für Generika ausgegeben. OTC-Medikamente kamen 2019 auf einen Umsatz von rund 3,9 Milliarden Euro. Damit wurde rund ein Drittel aller Pharmaverkäufe in diesem Bereich getätigt. 2020 soll das Wachstum coronabedingt besonders deutlich ausfallen. Deutlich negativer sieht die Lage bei innovativen Medikamenten aus. Für sie bieten sich nur Chancen, wenn es sich um sehr spezialisierte und kostspielige Präparate handelt. Dazu zählen zum einen Medikamente zur Behandlung verschiedener Krebsarten, zum anderen Arzneien für Privatpatienten in den Bereichen Diabetes und Kardiologie.

Deutschen Unternehmen, die einen Markeintritt in Polen anstreben, empfehlen Branchenkenner die Zusammenarbeit mit polnischen Experten. Insbesondere die Aufnahme auf die Erstattungsliste – der zweite wichtige Schritt nach der Medikamentenzulassung – stellt eine große Hürde dar und ist ohne professionelle Partner vor Ort nahezu unmöglich.

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