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15.10.2020

Covid-19 in Tunesien: Kooperationschancen für deutsche Pharmaunternehmen

Die Auswirkungen der Coronakrise werden in Tunesien lange zu spüren sein. Die Tourismusbranche leidet und im Gesundheitssektor fehlen zum Beispiel Intensivbetten. Positiv entwickelt sich die tunesische Pharmaindustrie – deutsche Unternehmen nutzen bestehende Möglichkeiten der Zusammenarbeit bislang kaum.

Flagge Tunesien; Quelle: fotolia.com / fcerez
© fotolia.com / fcerez

Von Mitte Juni bis Ende September 2020 war in Tunesien ein nahezu uneingeschränktes Leben möglich. Doch angesichts täglich steigender Neuinfektionen hat die Regierung die Eindämmungsmaßnahmen inzwischen wieder verschärft. Die Testkapazitäten wurden erweitert und in Krankenhäusern Betten für Covid-19-Patienten reserviert. Im Internet informiert die Regierung auf Französisch über die aktuelle Situation und die geltenden Einschränkungen. Angesichts der Auswirkungen der Coronakrise hat die Regierung ein Hilfsprogramm von umgerechnet rund 800 Millionen Euro aufgelegt.

Das Gesundheitssystem in Tunesien ist verglichen mit dem in anderen afrikanischen Staaten eines der besten. Es erreicht aber längst nicht den Standard in den Industrieländern. Aktuell stehen in Tunesien etwa 300 Intensivbetten in öffentlichen Krankenhäusern zur Verfügung, das entspricht einem Anteil von rund einem Prozent. Wünschenswert wäre ein Anteil von fünf Prozent. Dieser Mangel soll so schnell wie möglich behoben werden.

Um die Erstversorgung in vernachlässigten Regionen zu verbessern, plant Tunesien den stärkeren Einsatz von Telemedizin. Auch der private Markt für Gesundheitsleistungen wächst seit Jahren. Nach Informationen der Oxford Business Group verdreifachte sich die Zahl der Betten in privaten Krankenhäusern seit 2001 und lag 2019 bei 6.100, bis 2022 könnten es 10.000 Betten sein.

In Tunesien gibt es eine relativ gut entwickelte pharmazeutische Industrie und auch mehrere internationale Hersteller produzieren im Land. Der Medizin- und Pharmasektor des Landes ist ein potenzieller Wachstumsmarkt. Dazu tragen ausgebildete Ingenieure und Wissenschaftler bei. Tunesische Unternehmen können Auslandsmärkte, vor allem im Afrika südlich der Sahara, mit Unterstützung der tunesischen Exportförderagentur CEPEX erschließen. Eine Kooperation mit Partnern aus Deutschland ist dabei ausdrücklich erwünscht. Hier besteht ein ungenutztes Marktpotenzial, denn in der Praxis wurden solche Kooperationen bislang noch nicht umgesetzt.

Treten angesichts der Coronakrise Vertragsprobleme mit tunesischen Geschäftspartnern auf, ist es sehr wichtig zu ermitteln, nach welchem Recht die Verträge beurteilt werden. Häufig enthält der Vertrag eine Rechtswahlklausel. Details zu Vertragsfragen erläutert Germany Trade & Invest in einem Hintergrundartikel.

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