Meldung
13.10.2020

Frankreich: Staatliche Impulse für die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft

Frankreich will in den kommenden Jahren seinen Nachholbedarf bei digitalen Gesundheitslösungen beheben. Dafür sind hohe Investitionen in der Telemedizin geplant, aber auch beim digitalen Datenaustausch.

Flagge Frankreich; Quelle: istockphoto.com / c8501089
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Bereits im vergangenen Jahr hat die französische Regierung eine umfassende Strategie zur Digitalisierung des Gesundheitssystems sowie von Gesundheitsleistungen verabschiedet. Die Digitalisierung gehört zu den drei zentralen Säulen des Umstrukturierungsplans für den Gesundheitssektor (Ma Santé 2022). Die Umsetzung stockte jedoch bislang, etwa aufgrund von Bedenken zum Datenschutz. Außerdem sahen Französische Ärzte digitale Lösungen bisher vielfach als zeitraubende Zusatzbelastung.

Doch Frankreichs Regierung hält dagegen: Mitte Juli 2020 präsentierte sie ein Maßnahmenpaket (Segur de la Santé), das Investitionen von zwei Milliarden Euro über drei bis fünf Jahre für die Digitalisierung vorsieht. Dabei werden 600 Millionen Euro über fünf Jahre in die digitale Ausrüstung von Pflegeeinrichtungen fließen. 1,4 Milliarden Euro sollen der Modernisierung, dem Ausbau der verschiedenen digitalen Plattformen und Instrumente sowie deren Vernetzung zugutekommen. Für die Entwicklung der Elektronischen Patientenakte stehen bis 2022 insgesamt 60 Millionen Euro zur Verfügung. Das Elektronische Rezept soll schrittweise bis 2022 landesweiter Standard werden. Auch die Nutzung des Kommunikationssystems MSSanté für den internen Austausch unter Mitarbeitenden des Gesundheitssektors soll forciert werden.

Das Marktvolumen im Bereich Digital Health liegt in Frankreich laut einer Schätzung des Beratungsunternehmens McKinsey zwischen 16,1 und 22,3 Milliarden Euro pro Jahr. Die meisten Mittel werden nach einer aktuellen Studie bei der Telemedizin, der Digitalisierung von Patientendaten und deren Austausch sowie für die digitale Präventionsarbeit mit Patienten eingesetzt. Es werden außerdem Gelder für die Anschaffung kleinerer Geräte wie Bewegungs- oder Sturzmelder vom Staat bereitgestellt.

Der Zugang für deutsche Unternehmen zum französischen Digital-Health-Markt erfordert gute Kenntnisse der komplexen Strukturen. Die regionalen Gesundheitsbehörden (Agence régionale de santé) sind unterschiedlich stark für das Thema aufgeschlossen. Ihnen muss der wirtschaftliche Nutzen digitaler Angebote verdeutlicht werden. Doch je breiter digitale Lösungen im Gesundheitssystem genutzt werden, desto bessere Chancen ergeben sich für neue Akteure. Von staatlichen Stellen wird zudem auf eine stärkere Einheitlichkeit der digitalen Systeme gedrängt, zumindest auf regionalem Niveau und in öffentlichen Klinikverbünden. Außerdem zeichnet sich unter den Anbietern von Plattformen für Arzttermine und Videokonferenzen eine Marktkonsolidierung ab.

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