Meldung
10.09.2020

Covid-19 in Brasilien: Digitalisierung nimmt Fahrt auf

Brasilien gilt hinter den USA als zweitgrößtes Corona-Epizentrum weltweit. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Krise treiben die Digitalisierung im Gesundheitssektor aktuell kräftiger denn je an. Dadurch verbessern sich auch die Marktchancen für deutsche Anbieter.

Flagge Brasiliens; Quelle: istock/terraxplorer
© istock/terraxplorer

Zur Bewältigung der Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen hat die brasilianische Regierung bereits rund 100 Milliarden US-Dollar investiert – und damit wesentlich mehr als die meisten anderen Schwellenländer. Der Zugang zu Fördermitteln für wirtschaftlich geschwächte Unternehmen steht grundsätzlich auch Niederlassungen deutscher Firmen offen.

Im Gesundheitswesen wurde als Reaktion auf den Ausnahmezustand der Import medizinischer Geräte vereinfacht. Dazu hat die Regierung die Importzölle für über 500 Warengruppen, die zur Bekämpfung von Covid-19 benötigt werden, aufgehoben. Zu diesen „strategisch wichtigen“ Produkten zählen nicht nur Testkits und Beatmungsgeräte, sondern auch Ultraschallgeräte und zahlreiche nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel. Bislang wurden auf diese Produkte Zölle von bis zu 35 Prozent erhoben. Vereinfachte Zulassungsverfahren erlauben es zudem, dass Medikamente und medizinische Geräte auch ohne Registrierung vorübergehend bei der Gesundheitsaufsichtsbehörde für den brasilianischen Markt zugelassen werden können. Voraussetzung ist, dass diese bereits bei einer ausländischen Gesundheitsaufsicht registriert sind.

Darüber hinaus hat das Gesundheitsministerium den Rechtsrahmen für Digital Health erweitert und damit eine breitere Nutzung telemedizinischer Dienstleistungen bewilligt: Bereits am 15. April trat das Gesetz 13.989/2020 in Kraft, das bis zum Ende der Corona-Krise jeglichen Einsatz von Telemedizin erlaubt. Auch digitale Rezepte und Atteste sind seitdem zulässig. Zahlreiche Telemedizinanbieter haben diese Chance genutzt und sind direkt in den Markt eingestiegen. Bereits seit Mai 2019 koordiniert die Abteilung Departamento de Saúde Digital (DESD) die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Hauptziel ist die landesweite Nutzung der digitalen Patientenakte Prontuário Eletrônico do Cidadão (PEC), die seit 2019 finanziell bezuschusst wird.

Das starke Wachstum von Digital Health dürfte sich auch über die Krise hinaus fortsetzen und bietet deutschen Anbietern aus der Gesundheitsbranche neue Geschäftsmöglichkeiten. Weitere Informationen finden interessierte Unternehmen im  Special „Digital Health in Brasilien“ von Germany Trade & Invest (GTAI). Im Zollbericht  „Brasilien: Warenverkehr und Corona“ gibt es darüber hinaus nützliche Infos rund um coronaspezifische Regelungen, die bei Warenimporten und Exporten in bzw. aus Brasilien zu beachten sind, darunter auch ein Update zu den aktuellen Zollsenkungen für Medizintechnik.

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