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01.09.2020

Covid-19: Krise beflügelt Digital Health in Australien

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Telemedizin in vielen Ländern an Popularität gewonnen – so auch in Australien. Die steigende Nachfrage nach Digital Health-Anwendungen steigert auch die Exportchancen für deutsche Anbieter. Grundsätzlich ist Australiens Importabhängigkeit bei Medizinprodukten weiterhin groß.

Australische Flagge flattert im Wind
© istockphoto.com/ JoeGough

Das australische Gesundheitswesen zählt zu den weltweit führenden. Ausschlaggebend ist vor allem das staatliche Krankenversicherungssystem  Medicare, das dem deutschen System ähnelt und der Bevölkerung eine kostenfreie Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern ermöglicht.

In Krisenzeiten haben sich auch in Australien telemedizinische Dienste wie Videosprechstunden bewährt. Sie ermöglichen es Patienten, über Smartphone oder Computer aus der Ferne mit medizinischen Fachleuten zu kommunizieren. Aus diesem Grund wurden seit März 2020 bestimmte telemedizinische Leistungen in das  Medicare Benefits Schedule (MBS) aufgenommen. Das Register legt die Erstattungsbeträge für über 5.700 medizinische Maßnahmen fest. Bei einer ambulanten Behandlung in einer Arztpraxis wird den Patienten zwischen 85 und 100 Prozent der MBS-Gebühr erstattet. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass bestimmte telemedizinische Konsultationen und Praxisbesuche erstattungsrechtlich gleichgestellt sind.

Die Nachfrage nach den neuen Angeboten ist groß: Bis Mitte Juli 2020 wurden über die neuen Regelungen mehr als 14 Millionen telemedizinische Konsultationen durchgeführt. Da es keine technischen Vorgaben zur Nutzung bestimmter Plattformen gibt, sind sogar Konsultationen über Zoom oder WhatsApp möglich. Darüber hinaus wurde von der Regierung bereits ein gesetzlicher Rahmen für elektronische Rezepte (E-Prescpritions) geschaffen und erste Lösungen implementiert. Mit dem  My Health Record verfügt Australien außerdem über eine elektronische Patientenakte, die von rund 90 Prozent aller Patienten genutzt wird.

Auch während der Corona-Pandemie bleibt die Importabhängigkeit Australiens auf einem hohen Niveau. Das gilt insbesondere für medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse. Rund 85 Prozent des lokalen Bedarfs an Medizintechnik wird durch Einfuhren gedeckt. Bei Medikamenten liegt der Importanteil bei über 90 Prozent.

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