Meldung
08.10.2019

Engpässe in der Gesundheitsversorgung: Polen setzt auf digitale Angebote

Künftig werden Rezepte, Überweisungen und Krankschreibungen in Polen nur noch elektronisch ausgestellt bzw. verschickt. Der nächste Schritt in Richtung Digitalisierung ist die Einführung einer online einsehbaren Patientenakte. Auch in die Telemedizin wird investiert. Zum flächendeckenden Ausbau fehlen jedoch einheitliche Richtlinien und Finanzierungsmöglichkeiten.

Flagge Polen; Quelle: fotolia/Tata2anka
© Quelle: fotolia/Tata2anka

Die polnische Regierung treibt die Digitalisierung des Gesundheitssektors voran. Dadurch sollen langfristig Kosten gespart und die Versorgung verbessert werden. Seit 2018 können beispielsweise Krankschreibungen elektronisch an Arbeitgeber und Sozialversicherung übermittelt werden. Ab 2021 wird dies das gängige Verfahren sein. Auch die Tage des Rezepts in Papierform sind gezählt: Ab 2020 wird es nur noch elektronische Verschreibungen geben. Gleiches gilt für Überweisungen, etwa zu Fachärzten. Ab 2021 läuft dieser Prozess nur noch über digitale Kanäle.

Die polnische Bevölkerung steht dem Digitalisierungsprozess grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, wie die Studie Future Health Index (FHI) 2019 zeigt. Beispielsweise wünschen sich rund 82 Prozent der Befragten einen Zugang zu einer elektronischen Patientenakte. Der Durchschnittswert aller 15 Länder, die der Index abbildet, lag rund 20 Prozentpunkte niedriger. Auch Ärzte setzen verstärkt auf digitale Kanäle. Laut FHI nutzen bereits 77 Prozent mindestens eine Anwendung der digitalen Medizintechnologie oder Gesundheitsüberwachung.

Patienten können Informationen zu elektronischen Rezepten, Krankschreibungen und Überweisungen bereits über ein Online-Portal einsehen. Künftig soll dieses um digitale Krankenakten und Informationen über Arztbesuche erweitert werden. Mediziner und der private Gesundheitssektor sollen ebenfalls Zugang erhalten. Zudem wird die telemedizinische Infrastruktur ausgebaut. Dadurch will man sich aktuellen Herausforderungen stellen, wie der älter werdenden Bevölkerung oder dem Ärztemangel. Bisher verläuft der Prozess jedoch langsam. Grund dafür ist die veraltete Gesetzgebung. Es fehlen Richtlinien zum Einsatz der Telemedizin. Zudem werden nicht ausreichend Gelder aus dem Nationalen Gesundheitsfonds zur Verfügung gestellt. Einige Kommunen finanzieren telemedizinische Leistungen daher aus eigenen Mitteln und mit EU-Geldern.

Weiterführende Informationen

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  • Polens Gesundheitssektor soll digitaler werden

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  • Polen sind aufgeschlossen gegenüber Telemedizin

    Warschau (GTAI) - Verschiedene Projekte der Telemedizin befinden sich in einer Pilotphase. Rechtliche Aspekte bremsen die Akzeptanz bei Ärzten. Kommunen finanzieren Projekte selbst.