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05.04.2019

Russlands Privatklinikketten wollen expandieren

Viele Menschen in Russland sind bereit, für gute Gesundheitsleistungen selbst aufzukommen. Davon profitieren private Betreiber. Große Klinikketten planen neue Standorte mit moderner Ausstattung. Doch auch der öffentliche Sektor hat Investitionspläne.

Flagge Russland; Quelle: istock/Ramberg
© Quelle: istock/Ramberg

Das Umsatzplus des privaten Gesundheitssektors in Russland lag 2017 bei neun Prozent. Hintergrund ist, dass Menschen mit höherem Einkommen weniger von der allgemeinen Wirtschaftsflaute betroffen sind und eine gute medizinische Versorgung wünschen, die staatliche Häuser seltener bieten. Außerdem hat der Rubelverfall den Medizintourismus nach Europa verteuert, wodurch nationale Privatkliniken stärker in den Fokus rücken. Im russischen Gesundheitswesen ist es Tradition, Leistungen aus eigener Tasche zu zahlen. Selbst in öffentlichen Häusern werden viele Leistungen nicht von der allgemeinen Krankenversicherung übernommen.

In den letzten Jahren hat sich der Privatsektor stark konsolidiert. Große Anbieter übernehmen Wettbewerber und erweitern ihr Filialnetz. Der Marktführer Matj i ditja ist bereits in 19 Regionen aktiv und hat 2018 drei neue Kliniken eröffnet. Weitere Bauten sind geplant. Der Gynäkologie-Spezialist Klinika doktora Fomina, der fünf Kliniken betreibt, will sechs weitere Standorte eröffnen. Die Kette Doctor ryadom plant sogar 18 weitere Filialen in den kommenden fünf Jahren einzuweihen. Germany Trade & Invest (GTAI) stellt auf seiner Internetseite eine Liste der führenden 20 Privatklinikketten bereit.

Der Privatsektor hat in den Bereichen Stomatologie, einfache Diagnostik und Laboruntersuchungen die Nase vorn. Außerdem finden Schönheitsoperationen meist in privaten Kliniken statt. Neben klassischer Medizintechnik fragen Privatanbieter zunehmend IT-Lösungen zum Prozessmanagement nach. Für Hersteller von Hightech-Geräten ist das Moscow International Medical Cluster interessant, ein Leuchtturmprojekt für den Wissenstransfer und die moderne Gesundheitsversorgung. Bei der Beschaffung medizinischer Produkte und Verbrauchsmaterial geht der Trend immer stärker zu Online-Angeboten wie Buyonet für die Dentaltechnik.

Neben dem Privatsektor investiert auch die Regierung in die Gesundheitsversorgung. Im Rahmen des Programms „Gesundheitsfürsorge“ fließen allein zur Krebsbekämpfung in den nächsten drei Jahren mehr als vier Milliarden Euro in den Bau und die Ausstattung von medizinischen Einrichtungen. Zudem wird in Diagnosezentren und Einrichtungen zur Computertomographie und Endoskopie investiert und es werden 96 regionale Krebskliniken modernisiert. Weitere 996 Millionen Euro fließen in die Ausstattung regionaler Zentren zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Liste mit aktuellen Investitionsprojekten finden Sie ebenfalls auf der GTAI-Webseite .

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