Meldung
04.12.2018

Israelischer Pharmamarkt steht vor Veränderungen

Die Nachfrage der Israelis nach Medikamenten wird in den nächsten Jahren erheblich steigen. Eine neue Reform für Arzneimittelpreise tritt 2019 in Kraft. Deutschland löst die Schweiz als Hauptimporteur ab.

Flagge Israel; Quelle: fotolia/Yuriy Chertok
© fotolia/Yuriy Chertok

Internationale Pharmaunternehmen haben in Israel gute Absatzchancen. Das Bevölkerungswachstum sowie die steigende Lebenserwartung lassen einen erhöhten Bedarf an Medikamenten erwarten. Zum Ende des Jahres 2016 belief sich der Anteil der über 65-Jährigen auf etwa 11,3 Prozent. Das Zentralamt für Statistik erwartet, dass die Zahl der Senioren bis zum Jahr 2025 um 33 Prozent steigen wird.
Die israelische Pharmaindustrie konnte im Jahr 2017 etwa 6,2 Milliarden Euro umsetzen. Ein Großteil der Erzeugnisse wurde ins Ausland exportiert. Die Versorgung im Inland wurde hingegen zu etwa 71 Prozent durch Importe gedeckt. Die Einfuhren aus Deutschland waren 2017 fast drei Mal so hoch wie im Jahr zuvor. Damit konnte Deutschland die Schweiz als wichtigster Arzneimittellieferant ablösen.

Der israelische Staat übernimmt einen großen Anteil der Gesundheitsausgaben der Bevölkerung. Im Jahr 2017 waren es 48 Prozent. Durch das nationale Krankenversicherungsgesetz hat jeder Einwohner Anspruch auf Medikamente und die Nutzung von medizinischen Technologien im Rahmen der Behandlung. Die Selbstbeteiligung ist gering. Die Arzneimittelpreise werden von der Pharmakologie-Abteilung des israelischen Gesundheitsamts festgelegt. Bislang hat sich die Preisfestsetzung an Referenzpreisen der sieben Industrieländer Deutschland, Belgien, Ungarn, Spanien, Frankreich, den Niederlanden und England orientiert. Ab 2019 soll eine neue Reform in Kraft treten, von der sich die Regierung einen Rückgang der Arzneimittelpreise um durchschnittlich fünf Prozent erhofft. Nach dem neuen Modell können Preise von Medikamenten, bei denen es einen Marktwettbewerb gibt, nur mit Genehmigung des Gesundheitsministeriums erhöht werden. Bei patentgeschützten Medikamenten wird der Höchstpreis nach dem Durchschnitt der drei billigsten Referenzländer bestimmt.

Weil Medikamente in Israel nur eine Zulassung erhalten, wenn sie bereits in einem anderen Industrieland zugelassen sind, haben westliche Hersteller grundsätzlich einen Marktvorteil. Zudem könnte die aktuelle Krise des weltweit größten Generika-Herstellers Teva Pharmaceutical Industries die Chancen anderer Länder auf dem israelischen Pharmamarkt verbessern. Teva hat ein drastisches Sanierungsprogramm eingeleitet, in dessen Rahmen auch Produktionsstätten in Israel geschlossen werden sollen. Das bietet auch deutschen Pharmaunternehmen neue Liefermöglichkeiten.

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