3 Fragen an ...

Im Interview Regina Wierig

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie,
Leiterin Unterabteilung Z

Portraitbild Regina Wierig/ Quelle: BMWi
Regina Wierig | BMWi

Frau Wierig, die Gesundheitswirtschaft erweist sich nicht erst in Corona-Zeiten als ein wichtiger Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Ihr Haus hat dazu gerade aktuelle Daten herausgegeben. Was sagen die uns?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erhebt mit der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung (GGR) seit mehreren Jahren die Eckdaten der deutschen Gesundheitswirtschaft. Damit tragen wir der steigenden Bedeutung dieser Querschnittsbranche für die deutsche Wirtschaft Rechnung. Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die deutsche Gesundheitswirtschaft 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jeder 8. Euro der deutschen Bruttowertschöpfung wird also in der Gesundheitswirtschaft erzeugt. Gleichzeitig waren rund 7,5 Millionen Menschen und damit jeder sechste Erwerbstätige in der Branche beschäftigt. Das entspricht einem Anteil von 16,6 Prozent des gesamten Arbeitsmarktes. Mit Exporten von über 130 Milliarden Euro war die Gesundheitswirtschaft für 8,3 Prozent der Gesamtexporte verantwortlich. Dieser Wert hat sich seit 2010 fast verdoppelt.

Die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft wurde 2011 als Zusatzangebot für die Branche eingerichtet, warum?

Wie bereits angedeutet, ist die Branche extrem exportorientiert. Die Medizintechnik allein erwirtschaftet mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze im Ausland. Bei der Pharmabranche ist das ähnlich. Gleichzeitig ist die deutsche Gesundheitswirtschaft stark mittelständisch geprägt. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen ist das Auslandsgeschäft mit diversen Herausforderungen verbunden. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Märkte, zieht sich aber durch den ganzen Prozess. Die Exportinitiative liefert dazu maßgeschneiderte Unterstützung. An erster Stelle durch Informationen zu wichtigen Auslandsmärkten und zentralen Fragen wie Einfuhr, Produktzulassung oder Vertrieb. Aber auch die Themen Auslandsvermarktung und Vernetzung mit Kunden werden durch spezielle Formate bedient und von den Unternehmen dankend angenommen.

Durch die Corona-Krise haben sich die Rahmenbedingungen grundsätzlich verändert. Medizinische Produkte sind gefragter denn je, gleichzeitig ist der internationale Warenverkehr nachhaltig gestört. Wie reagieren Sie darauf?

In der Tat ist die Gesundheitswirtschaft in besonderem Maße von der Corona-Krise betroffen. Die negativen Folgen sind wie in allen Branchen deutlich zu spüren. Gleichzeitig öffnen sich durch die gestiegene weltweite Nachfrage nach medizinischen Produkten vielversprechende Chancen für deutsche Hersteller. Die gilt es zu nutzen und auszubauen. Die Geschäftsstelle der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft hat bereits entsprechend reagiert und erste neue Angebote entwickelt. Besonders im Bereich Marktinformationen wird deutlich aufgestockt. Gleichzeitig erprobt das Team neue digitale Tools und Matchmaking-Instrumente. Langfristig können hier aber auch ganz neue Themen wie beispielsweise die Sicherung von Lieferketten auf der Agenda stehen. Wie sich die Bedarfe der Branche konkret entwickeln, beobachten wir sehr genau und stehen dazu in einem engen Dialog mit der betroffenen Wirtschaft.

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