3 Fragen an ...

Im Interview Johannes Braun

Leiter Globalprojekt Qualitätsinfrastruktur

Portraitbild Johannes Braun / Quelle: GPQI
Johannes Braun | GPQI

Im internationalen Geschäft stellen abweichende Normen und Zertifizierungsanforderungen Unternehmen vor große Herausforderungen. Hier soll das Globalprojekt Qualitätsinfrastruktur des BMWi helfen. Was genau versteckt sich dahinter?

Deutschland kooperiert mit wichtigen Handelspartnern im Bereich der Qualitätsinfrastruktur. Das Globalprojekt Qualitätsinfrastruktur (GPQI) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gestaltet dazu fachpolitische Dialoge mit seinen Partnerländern. Es bringt Expert*innen aus Behörden, Unternehmen und Verbänden, Normungsorganisationen, Konformitätsbewertungsstellen und anderen technisch-wissenschaftlichen Institutionen zusammen. Gemeinsam erarbeiten wir Lösungsansätze für technische Handelshemmnisse, stärken die Produktsicherheit und verbessern den Verbraucherschutz.

Das GPQI wird in Brasilien, China, Mexiko, Indien und Indonesien von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH umgesetzt. Die Digitalisierung der Wirtschaft, Elektromobilität und auch eine sichere Medizintechnik sind Zukunftsthemen, die unser Projekt begleitet.

In der Praxis geht es je nach Branche um sehr unterschiedliche technische Maßgaben und entsprechende Herausforderungen. Wie arbeiten Sie mit den davon betroffenen Gruppen zusammen? Gibt es konkrete Beispiele aus der Gesundheitswirtschaft?

Das GPQI arbeitet nachfrageorientiert und steht im regelmäßigen Austausch mit der deutschen Gesundheitswirtschaft. So erfahren wir die konkreten Problemstellungen aus erster Hand, im Austausch mit Kammern, Verbänden oder im direkten Gespräch mit einzelnen Unternehmen vor Ort. Ihre Anliegen bringen wir dann den Regierungsstellen und Regulatoren im Partnerland näher.

In China schaffen wir Austauschformate für deutsche Unternehmen mit unserem Partner National Medical Products Administration (NMPA), wie etwa den regelmäßig stattfindenden Workshop am Rande des China International Medical Devices Regulatory Forum (CIMDR). Dort kann die deutsche Wirtschaft ihre Positionen einbringen und wichtige Informationen gewinnen. Auch in Indien unterstützt das Projekt die Anwendung von internationalen Normen und arbeitet mit den Partnerbehörden und Unternehmen an Fragen der Kennzeichnung und Zertifizierung von Medizinprodukten.

Gleichzeitig verfolgen wir regulatorische Entwicklungen in den Ländern und informieren die deutsche Gesundheitswirtschaft proaktiv über mögliche Herausforderungen, zum Beispiel in virtuellen Workshops in Zusammenarbeit mit Verbänden und Kammern.

Wie hat sich Ihre Arbeit in Zeiten von Covid-19 aber auch internationaler Handelskonflikte verändert? Sehen Sie hier in Zukunft neue Aufgabenfelder?

Wie wichtig weltweit harmonisierte Produktanforderungen, Normen und Zertifikate sind, zeigt sich ganz aktuell in der Corona-Krise. Zu Beginn des Jahres stieg die Nachfrage an Atemschutzmasken und persönlicher Schutzausrüstung drastisch. GPQI unterstützte die Bundesregierung dabei, die Qualität und Sicherheit von chinesischen Produkten beim Import nach Deutschland sicherzustellen. Das Projekt entwickelte mit den chinesischen Partnerbehörden und deutschen Experten einen besonderen Prozess. Dabei wurden Zertifikate und Prüfberichte chinesischer Produkte auf Echtheit geprüft. So wurde dazu beigetragen, dass hochwertige Atemschutzmasken in Deutschland schneller und in ausreichender Anzahl verfügbar waren.

In Zeiten rasanter technologischer Entwicklungen und sich verschärfender Handelskonflikte ist es deshalb umso wichtiger, kontinuierlich im Dialog zu bleiben und die internationale Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern zu stärken. Nur so können wir gemeinsam Lösungen für technologische Herausforderungen und konkrete Probleme finden.