Meldung
20.04.2017

Joint Venture im Ausland: Was zählt, ist die Chemie

Partnerschaften mit einheimischen Unternehmen oder Organisationen sind oft der erste Schritt in einen fremden Markt. Wie so eine Partnerschaft aussehen und funktionieren kann, davon berichtet Michael Bitzer, 56, Arzt und Manager, der Erfahrungen mit einem Joint Venture in Abu Dhabi sammeln konnte. Bitzer hat bei der Munich Re Karriere gemacht und mit der Regierung der Arabischen Emirate eine Krankenversicherung gegründet.

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© istockphoto.com/ Henrik5000

Herr Dr. Bitzer, mit Joint Ventures im Gesundheitsbereich kennen Sie sich aus. Wie kam die Münchner Rückversicherung zu der Zusammenarbeit in Abu Dhabi?

Michael Bitzer: Die Munich Re war auf dem Markt schon mit Dienstleistungen für Ärzte und Krankenhäuser vertreten. Als das Emirat Abu Dhabi 2005 eine Krankenversicherung für alle Einwohner einführte und das Management dafür ausschrieb, hat die Munich Re zugegriffen - zunächst als Management Partner und Rückversicherer, ein paar Jahre später auch als Shareholder. Die Versicherung Daman gehört zu 80 Prozent dem Staat und zu 20 Prozent der Munich Re.

Was kann ein fremdes Unternehmen da beitragen?

Es ist eine Kombination aus regionalem Know-how über die Marktgegebenheiten und Expertise beim Thema Krankenversicherung. Das ist ein kompliziertes Geschäft mit einer hohen Schadensfrequenz. Es braucht da viel Wissen über Preis- und Vertragsgestaltung oder IT-Lösungen. Wenn eine Regierung so etwas einführt, dann will sie sicher sein, dass es funktioniert. Denn wenn es schief läuft, dann beschwert sich gleich die Hälfte der Bevölkerung. Da will kein Politiker ein Risiko eingehen.

Warum war der Einstieg bei Daman für die Munich Re interessant?

Es ist per se eine Ehre, bei der Gestaltung eines Krankenversicherungssystems in einem Land mitzuwirken. Außerdem wird damit Geld verdient – über die Management Fee, die Prämien für die Rückversicherung und die Ausschüttungen an die Gesellschafter. Und natürlich ist das auch eine gute Visitenkarte für weitere Projekte dieser Art, gerade wenn man als Miteigentümer und im Aufsichtsrat Verantwortung übernimmt.

Sie leiten Daman seit 2005. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Konstrukt "Joint Venture" gemacht? Wo liegen die Knackpunkte?

Natürlich braucht es ein gutes Shareholder Agreement. Die Verträge müssen von Anfang an sauber aufgesetzt sein. Man sollte alle denkbaren Konfliktszenarien sehr genau regeln. Der Rest ist Chemie. Es gilt, Vertrauen aufzubauen zwischen den Partnern. Dafür muss die deutsche Seite die richtigen Leute in das Land schicken. Man darf nicht arrogant sein oder alles besser wissen, man muss bereit sein, sich auf die lokalen Gegebenheiten einzulassen. Nur im Geist echter Kooperation kann solch ein Joint Venture ein Erfolg sein.

Aber die Partner können über die Zeit ja auch einmal wechseln. Wer ist denn gerade Ihr Aufsichtsratsvorsitzender?

Es ist der General Manager des örtlichen Finanzministeriums, und es ist jetzt unser dritter Aufsichtsratschef. So ein Wechsel ist schon immer wieder eine Herausforderung, und es braucht, wie überall in der Welt, ein bisschen Zeit, miteinander warm zu werden und neues Vertrauen aufzubauen. Aber es handelt sich stets um hoch gestellte lokale Persönlichkeiten, die im Ausland studiert oder gearbeitet haben, die also eine gewisse Offenheit mitbringen. Die Regierung hat da bisher ein gutes Händchen bewiesen. Ich fühlte mich gut unterstützt.