Meldung
09.08.2016

Interview: „Als Pioniere neue Wege gehen“

Jared Sebhatu, GALS Program Director Deutschland, berichtet über die Startup Unterstützung des German Accelerator Life Sciences.

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© Germany Accelerator Life Sciences

Der German Accelerator Life Sciences (GALS) ist eine Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums, die deutschen Life Science-Startups und jungen Unternehmen hilft, im globalen Markt erfolgreich zu sein. Die Unterstützung durch GALS reicht von kostenlosen Büroräumen im dynamischsten Innovationshub der Life Sciences-Branche bis hin zu Mentoring und Beratung durch Industrieexperten und erfahrene Führungspersönlichkeiten. GALS wurde im Oktober 2015 gestartet und hat seinen Sitz in Cambridge, MA.

Jared Sebhatu ist Program Director für den German Accelerator Life Sciences in Deutschland. In dieser Rolle verantwortet er die Sichtung der deutschen Life Science Startup-Szene und ist der erste Ansprechpartner für strategische Partner und Stakeholder vor Ort. Durch Stationen bei einer Vielzahl internationaler Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft war es ihm möglich, umfassende Expertise zum Gesundheitsmarkt und zu Innovationsprozessen, insbesondere in den Bereichen Medizintechnik und Digital Health, aufzubauen. Zurzeit berät er verschiedene Startups in den Bereichen Strategie, Technologie und Innovationsmanagement.

Wie sieht die „Förderung“ im Rahmen des German Accelerator Life Sciences konkret aus?

Jared Sebhatu
Jared Sebhatu
© Jared Sebhatu

Die ausgewählten Unternehmen werden durch erfahrene Mentoren dabei unterstützt, zum Beispiel regulatorische und finanzielle Hürden beim US-Markteintritt zu überwinden. Diese Unterstützung umfasst vor allem eine intensive Beratung in strategischen und rechtlichen Fragen sowie ganz praktische Hilfe dabei, vor Ort in Cambridge Fuß zu fassen. Die Fragen sind meist recht ähnlich: Muss ich ein amerikanisches Unternehmen gründen? Benötige ich eine Freigabe durch die FDA? Wie finde ich die richtigen Investoren oder Partner?

Gemeinsam mit den Mentoren helfen wir den Unternehmen beim Beantworten dieser Fragen. Hierfür greifen wir auf ein exzellentes Netzwerk von Experten aus Medizin, Industrie, Wissenschaft und Finanzwelt zurück. Unsere Betreuung ist hierbei sehr flexibel und individuell. Sowohl die Dauer als auch die Intensität der Unterstützung richten wir immer an den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens aus.

Was muss ein Startup idealerweise mitbringen, um vom GALS unterstützt zu werden? Können ausländische Startups am GALS Programm teilnehmen?

Der German Accelerator Life Sciences ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Ziel ist es daher, dass die Unternehmen von Deutschland aus wachsen – es muss somit zumindest ein starker Bezug zum Wirtschaftsstandort Deutschland gegeben sein. Die weiteren Kriterien werden durch unser Selection Committee, bestehend aus Experten für den amerikanischen Gesundheitsmarkt, bewertet. Neben dem medizinischen Effekt und dem Innovationsgrad des Produktes sind vor allem die Zusammensetzung des Teams und der ausgearbeitete Businessplan entscheidend. Besonders relevant ist natürlich die Frage, inwieweit das Programm dem Unternehmen dabei helfen kann, in den USA erfolgreich zu werden.

Wie viel Aufwand ist mit einer Bewerbung beim German Accelerator Life Sciences verbunden?

Die Bewerbung erfolgt über eine Online-Plattform. Hierbei werden zum einen allgemeine Fragen zum Unternehmen, Team und Produkt gestellt, zum anderen spezifischere zu den Kundengruppen, der Wettbewerbssituation, Patenten und notwendigen bzw. vorhandenen Zertifizierungen. Dies sind jedoch alles Informationen, die ein professionell aufgestelltes Unternehmen in der Regel bereits dokumentiert oder über die es sich zumindest Gedanken gemacht hat, sodass sich der Aufwand für eine Bewerbung auf wenige Stunden beschränkt.

Gibt es schon erste Erfolge von den Unternehmen im GALS Programm?

Jedes Unternehmen arbeitet an einer sehr individuellen Zielsetzung. Ein gutes Beispiel ist Sonormed mit dem Produkt Tinnitracks, einer digitalen Tinnitus-Therapie. Sonormed ist in Deutschland als einer der Vorreiter der digitalen Gesundheitsversorgung sehr erfolgreich: Die Kosten für Tinnitracks werden bereits von mehreren deutschen Krankenversicherungen erstattet. Im Rahmen unseres Programms arbeitet das Unternehmen an einer Transformation seiner Strategie vom reinen Anbieter einer Tinnitus-Therapie hin zum Entwickler einer umfassenden Lösung zur Verbesserung des Gehörs der Nutzer. Sonormed befindet sich auf einem guten Weg und wir sind von dem Potenzial des Unternehmens in den USA absolut überzeugt.

Haben Sie noch eine persönliche Empfehlung für deutsche Startups aus dem Life Science Bereich?

Wir haben in Deutschland zahlreiche Innovationen mit dem Potenzial, die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern. Leider schaffen es zu wenige dieser Innovationen, sich erfolgreich am deutschen Gesundheitsmarkt zu etablieren. Dies liegt nicht nur an den Rahmenbedingungen, sondern auch an der Einstellung der Gründer. Ein Startup mit einem innovativen Produkt zum Erfolg zu führen ist keine einfache Aufgabe – weder in Deutschland, noch in den USA. Hier braucht es Optimismus und den Mut, vorausschauend zu denken und als Pionier neue Wege zu gehen.

Kontakt: gals@germanaccelerator.com

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite http://germanaccelerator.com/life-sciences.