Meldung
25.11.2015

Privatklinikboom in Tunesien dank Medizintourismus

Tunesien wird für exportorientierte deutsche Anbieter von Medizintechnik zunehmend interessant. Die Bedeutung des Landes als regionaler Gesundheitsmarkt wächst. Deutsche Lieferungen von medizinischem Gerät und orthopädischen Vorrichtungen stiegen 2014 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 22 Prozent. Dieser Trend setzt sich auch im Jahr 2015 fort. Denn Patienten aus dem Ausland, vor allem aus Libyen, sorgen für einen Boom beim Bau von Privatkliniken.

Flagge Tunesien; Quelle: fotolia.com / fcerez
© fotolia.com / fcerez

Ursache für den Boom ist der Medizintourismus. Während im Jahr 2008 erst 100.000 Patienten nach Tunesien kamen, waren es sechs Jahre später bereits 400.000 Patienten. Die Ausgaben der Medizintouristen stiegen derweil von 1 Million Tunesischer Dinare auf rund 7 Millionen Tunesische Dinare (3,125 Mio. Euro). Davon profitieren vor allem die 75 Privatkliniken. Der Medizintourismus wird jedoch kaum von Europäern in Anspruch genommen: Rund 84 Prozent der ausländischen Patienten kommen aus Libyen. Die tunesische Regierung will jetzt sogar mehr Medizintouristen aus Algerien und den Ländern südlich der Sahara gewinnen. Die wichtigsten Behandlungsfelder bei Medizintouristen sind die Kardiologie, das Einsetzen von Prothesen (Hüft- und Kniegelenke) und weitere orthopädische Behandlungen sowie die ästhetische und plastische Chirurgie oder Knochenmarktransplantationen.

Die meisten tunesischen Mediziner haben in Frankreich studiert. Diese Kombination aus einem hohen ärztlichen Niveau verbunden mit den niedrigen Kosten vor Ort stärkt den Medizintourismus. Günstig ist auch der Überschuss an medizinischen Fachkräften des Landes. Tunesien vergibt nur sehr restriktiv Visa für Europa an die einheimischen Mediziner und hält sie so im Lande.

Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind in der Hauptstadt Tunis drei Privatkliniken eröffnet worden. Weitere Investitionen im privaten Krankenhaussektor sind zu erwarten. Neue öffentliche Regionalkliniken in Beja und Gabes sind geplant. In Manouba bei Tunis soll eine Onkologie-Abteilung entstehen. Die Volksrepublik China wird in der Küstenstadt Sfax eine Universitätsklinik mit 320 Betten errichten. Insgesamt gibt es in Tunesien 25 größere staatliche Polikliniken, sieben davon sind Universitätskliniken. Zudem verfügt das Land über 42 Regionalkrankenhäuser, von denen ebenfalls neun von Universitäten betrieben werden.

Die deutschen Ausfuhren von medizinischem Gerät und orthopädischen Vorrichtungen beliefen sich 2014 auf rund 21,5 Millionen Euro. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 22,7 Prozent. In den ersten vier Monaten des Jahres 2015 sind die Exporte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres sogar um 49,0 Prozent gestiegen. Marktführer als Lieferant für Medizintechnik ist jedoch Frankreich. Denn Tunesien zählt zum frankophonen Teil Afrikas und die Bindungen zwischen den beiden Ländern sind nach wie vor stark.

Das nordafrikanische Land muss rund 90 Prozent seiner Ausrüstungsgüter für den Medizinsektor importieren. Neben Medizintechnik wie Dialysemaschinen, Herz-Lungen-Maschinen oder bildgebender Diagnose-Technik, steht dabei die Technologie für die Notfall- und Intensivmedizin im Vordergrund.

Bei der Erschließung des tunesischen Marktes ist es üblich, lokale Vertriebspartner einzusetzen. Sie verfügen oft auch über die Kompetenzen im Service, die bei Medizintechnik notwendig sind. Die Beschaffung des öffentlichen Sektors erfolgt über das Gesundheitsministerium (Direction des équipements), aber auch über die einzelnen Krankenhäuser. Medizintechnik aus Europa, die nicht in Tunesien hergestellt wird, unterliegt im Rahmen des EU-Mittelmeer Assoziationsabkommen einem Präferenzzoll.

Weiterführende Informationen

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    Tunis (gtai) - Tunesien hat sich zu einem regional bedeutenden Gesundheitsmarkt entwickelt. Patienten aus dem Ausland, vor allem aus Libyen, sorgen für einen Boom beim Bau von Privatkliniken. Deutsche Lieferungen von medizinischem Gerät und orthopädischen Vorrichtungen haben 2014 um mehr als 22% im Vergleich zum Vorjahr angezogen. Die bisherigen Daten stellen auch für 2015 gute Zahlen in Aussicht.