Meldung
12.12.2013

Gute Chancen für deutsche Unternehmen im kanadischen Markt für Medizintechnik

Cargo Container mit kanadischer Flagge
© colourbox.com

Der kanadische Medizintechnikmarkt konnte 2012 ein Plus von 7% verzeichnen. Durch eine wachsende und gleichzeitig alternde Bevölkerung bleiben die Prognosen über die nächsten Jahre positiv. Das öffentliche Gesundheitssystem soll durch moderne Medizintechnik effizienter werden. Momentan sind mehrere Hospitäler im Bau, was die Nachfrage zusätzlich steigen lässt, da ein Großteil der benötigten Ausrüstung eingeführt wird. Deutschland ist zweitwichtigster Lieferant und konnte seine Exporte 2012 um rund 3% steigern. Insgesamt stiegen die Importe nach Kanada um 9% auf 5,2 Mrd. CAD.

Für 2013 wird eine Steigerung der kanadischen Gesundheitsausgaben um 3% erwartet. Fast 70% der Kosten für Gesundheit werden in Kanada von der öffentlichen Hand getragen. Auf den Krankenhausbetrieb entfallen rund 30% der Ausgaben, diese dürfen 2013 um 2,6% steigen. Zweitgrößter Posten sind mit knapp 35 Mrd. CAD die Kosten für Arzneimittel.

Die Nachfrage nach medizinischen Geräten wird durch eine Reihe geplanter Klinikneu- und Ausbauten zunehmen. Eines der größten Projekte ist ein sogenanntes "Superkrankenhaus", die Zusammenlegung dreier Universitätskliniken in Montreal. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf ca. 2,5 Mrd. CAD.

Angesichts der demografischen Entwicklung wird die Nachfrage nach Medizintechnik voraussichtlich auch über die kommenden Jahre positiv bleiben. Dank einer liberalen Einwanderungspolitik dürfte die kanadische Bevölkerung bis 2037 von heute knapp 35 Mio. auf 42 bis 48 Mio. Einwohner anwachsen. Zudem dürfte in den nächsten 25 Jahren der Anteil der über 65-Jähringen von 15% auf 25 bis 30% steigen.

Der kanadische Medizintechnikmarkt kann in vier Hauptsegmente unterteilt werden: Verbrauchsmaterialien, elektromedizinische Geräte, bildgebende Diagnostik sowie Homecare-Produkte. Grundsätzlich gilt: Je technisch anspruchsvoller die Ware, desto größer sind die Lieferchancen für deutsche Unternehmen. Denn die Nachfrage nach medizinischen Verbrauchsmaterialien und kleineren elektromedizinischen Geräte wird größtenteils über lokale Anbieter gedeckt.

Die Diagnostik gilt als expandierendes Marktsegment, vor allem die Früherkennung durch Imaging-Geräte sowie minimalinvasive Chirurgie. Benötigt werden auch Geräte zur Behandlung altersbedingter Krankheiten - insbesondere in der Orthopädie. In den nächsten Jahren soll die Nachfrage nach künstlichen Hüft- Schulter- und Kniegelenken erheblich zunehmen. Weiterhin werden die Absatzchancen für Produkte zur Diagnose und Behandlung von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv eingeschätzt.

Im Bereich e-Health setzt die kanadische Regierung auf den breiteren Einsatz von Telemedizin, um die steigenden Gesundheitskosten zu bändigen. Die Zahl der klinischen Telemedizinsitzungen wächst kontinuierlich und ist von 2010 bis 2012 um mehr als die Hälfte gestiegen. Mittlerweile sind 7.300 medizinische Einrichtungen entsprechend ausgestattet - mit steigender Tendenz.

Gegenüber dem Vorjahr wuchs der kanadische Import von Medizintechnik auf 8%. Aus Deutschland legten die Einfuhren um 2,5% auf 362 Mio. CAD zu. Die USA sind der mit Abstand wichtigste Lieferant und decken mehr als die Hälfte des kanadischen Bedarfs ab. Deutschland liegt mit einem Anteil von 6% auf Platz zwei, von hier werden vor allem Röntgenapparate und Elektrodiagnosegeräte eingeführt.

Die kanadischen Krankenhäuser beziehen ihre Ausrüstungen über Ausschreibungen und bedienen sich dabei häufig zentraler Einkaufsgruppen, die für mehrere Hospitäler agieren. Im Zuge des Freihandelsabkommens zwischen EU und Kanada werden künftig öffentliche Ausschreibungen auf Bundes-, Provinz- und Kommunalebene auch für europäische Unternehmen geöffnet. Hierfür soll eine zentrale Internetplattform errichtet werden.

Für die Einfuhr und den Vertrieb medizinischer Geräte ist eine Genehmigung durch das Gesundheitsministerium Health Canada erforderlich. Zudem muss eine Lizenzierung eines medizinischen Produktes beim Medical Devices Bureau beantragt werden. Hier finden sich auch alle technischen Normen und Standards, die für eine Genehmigung erfüllt sein müssen.