Digitale Gesundheitswirtschaft

Handy und Uhr; Quelle: istock.com/alexey_boldin + PeopleImages
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In zahlreichen medizinischen Disziplinen bergen digitale Anwendungen enormes Potenzial, die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern und zu sichern. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) vereinfachen die diagnostische und therapeutische Praxis, steigern die Qualität der medizinischen Versorgung und verbessern die Verfügbarkeit medizinischen Wissens. Daten- und Kommunikationsdienstleistungen werden sich mit diesen modernen Technologien effektiver gestalten lassen.

Der Branchenbegriff der digitalen Gesundheitswirtschaft (DGW) umfasst alle IKT-Anwendungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen. Aufgrund der Vielfalt und Vielschichtigkeit der Lösungen werden üblicherweise vier sich überschneidende Anwendungsfelder unterschieden:

  • E-Health subsumiert alle Technik- und Anwendungsarten moderner IKT zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung im Gesundheitswesen und fungiert als Überbegriff für alle weitere Anwendungsarten der DGW (z.B. Gesundheitsportale, Gesundheits-Apps).
  • Gesundheitstelematik schafft die technologischen und Plattform-Grundvoraussetzungen, die den Informationsaustausch im Gesundheitswesen nach allgemeinen Sicherheitsstandards rechtskonform ermöglichen (z.B. elektronischer Arztbrief, elektronische Patientenakte).
  • Telemedizin umfasst alle IKT-Anwendungsarten zum Erbringen medizinischer Kerndienstleistungen bei räumlicher Distanz inklusive der entsprechenden Infrastruktur (z.B. Telediagnostik, Telemonitoring).
  • mHealth bzw. „mobile Health“ beschreibt alle mobilen medizinischen und gesundheitsbezogenen Anwendungen. Es umfasst auch Anwendungen außerhalb der kernmedizinischen Leistung bspw. zur individuellen Gesunderhaltung und im Fitness-Bereich (z.B. Lifestyle- und Gesundheits-Apps, persönliche Hinweissysteme).

Ein wichtiges Querschnittsthema ist Big-Data, dessen Anwendungen innerhalb des Gesundheitswesens perspektivisch an Bedeutung gewinnen. Big-Data Anwendungen kombinieren und verarbeiten weitgehend unstrukturierte Datenmengen aus unterschiedlichen Datenquellen. Im Vordergrund steht die Gewinnung neuer Erkenntnisse und Zusammenhänge (z.B. Prävalenz- und Überblicksstudien, Wirksamkeitsanalysen).

Weltweit besteht eine enorme Nachfrage nach digitalen Lösungen im Gesundheitswesen. Betroffen sind vor allem die Aspekte  Patientenmanagement, effiziente Leistungserbringung, Vernetzung der Akteure und Personalisierung der Angebote. Die deutsche digitale Gesundheitswirtschaft kann in den einzelnen Anwendungsfeldern international wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen anbieten.  

Ziel der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft ist es, die globale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen der Branche nachhaltig zu stärken und deren Internationalisierung aktiv voranzutreiben. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Die branchenspezifischen Maßnahmen zur gezielten Außenwirtschaftsförderung entwickelt die Exportinitiative gemeinsam mit den relevanten Fachverbänden in vier Arbeitskreisen. Der Arbeitskreis digitale Gesundheitswirtschaft besteht aus: 

  • Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) e.V.
  • Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) e.V.
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG)
  • Netzwerk für eHealth Systeme und Telemedizin e.V. (Nest)
  • Verband Beratender Ingenieure e.V. (VBI) 


Wussten Sie schon?

  • Schweden ist neben den USA Vorreiter in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Bis spätestens Ende 2017 soll eine landesweite elektronische Patientenakte eingeführt werden.
  • Das führende Branchenevent für digitale Gesundheitswirtschaft, die HIMSS Konferenz, findet  jährlich in den USA statt. 2016 waren auf der HIMSS rund 1.200 Aussteller und  40.000 Fachbesucher vertreten.
  • In den Niederlanden werden digitale Gesundheitslösungen gezielt staatlich gefördert.
  • Estland verfügt über ein digitales Gesundheitsinformationssystem, an das etwa 98% der Bevölkerung und 752 Einrichtungen angeschlossen sind und Zugriff auf digitale Gesundheitsakten haben.
  • In Japan ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen wesentlicher Bestandteil der Wachstumsstrategie der Regierung. Hohe Bedarfe für digitale Lösungen im Gesundheitssektor resultieren vor allem aus der rapide alternden Bevölkerung Japans.
  • Bis 2020 wird für den digitalen Gesundheitsmarkt in Frankreich ein jährliches Wachstum von 4 bis 7% prognostiziert. Betroffen sind vor allem Informationstechnologien für den Gesundheitssektor und Telemedizin.
  • Südafrika hat eine E-Health Strategie entwickelt. Schwerpunkte liegen auf Gesundheitsdienstleistungen mit Hilfe von Mobiltelefonen (mHealth) sowie der Anwendung von Telemedizin in ländlichen Regionen. Rund 100 mHealth Projekte werden in Südafrika bereits umgesetzt.   
  • In den USA spielt das Thema Cyber-Security auf dem Markt für Gesundheits-IT eine große Rolle.